Größte Racketlon-Weltmeisterschaft aller Zeiten überzeugt auch sportlich

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Nachdem Juniors & Seniors vergangenes Wochenende in Wien über die Bühne gingen, kämpfen in Graz die Amateur- und Elite-Sportler:innen um die Weltmeister-Titel.

Die Bedingungen sind perfekt für die größte Racketlon-Weltmeisterschaft, die es jemals gegeben hat: 532 Spieler:innen, 35 Nationen, zwei Städte. Anfang der 2000er Jahre hat Marcel Weigl den Schlägervierkampf nach Österreich importiert, nun schreibt der Präsident des österreichischen und europäischen Racketlon-Verbands als Hauptorganisator mit diesem Event Geschichte. Die Teilnehmenden lassen die Chance nicht aus, um bei dieser Großveranstaltung auch sportlich zu begeistern.

Bei den Elite- und Amateur-Wettkämpfen in Graz ist an jedem der 16 Courts Spannung garantiert. Bei den Elite-Doppel der Damen konnten sich, wie schon vergangenes Jahr, Stine Jacobsen aus Dänemark und die Tschechin Zuzana Severinova mit drei Siegen gegen ihre Konkurrentinnen deutlich durchsetzen. Letztere konnte auch im Mixed Double mit ihrem großbritannischen Partner Leon Griffiths brillieren und das Finale gegen die Deutsche Nathalie Vogel und Morten Jaksland aus Dänemark, der letztes Jahr gemeinsam mit der Österreicherin Christine Seehofer-Krenn den Titel holte, gewinnen. Im letzten Spiel am Tennis-Court reichten den beiden 4 Scores, um das Spiel mit einem Plus von 15 Punkten zu beenden.

Für Griffiths sollte es ebenfalls nicht der einzige Titel gewesen sein, gemeinsam mit seinem Bruder, Luke Griffiths, gelang es den beiden Briten das Elite-Doppel der Herren am höchsten Stockerl zu beenden. In einem spannenden Spiel, in dem ihre zwei Kontrahenten Kresten Hougaard und Morten Jaksland (beide Dänemark) den Tischtennis- als auch den Squash-Satz für sich entscheiden konnten, setzten sich die beiden Inseleuropäer schließlich im Tennis durch. Für Jaksland war es somit bereits der zweite Vize-Weltmeistertitel in Graz.

Ein weiteres Highlight in Graz war der Team-Bewerb, der nach dreijähriger Pause wieder das erste Mal stattfand. Den letzten Titel 2019 konnte sich Großbritannien sichern, die in Graz im Halbfinale auf die Sieger:innen aus 2018 trafen, das österreichische Nationalteam. Bei den insgesamt 16 möglichen Sätzen, gespielt jeweils bis 11 Punkte, benötigte Österreich im Team-Bewerb lediglich 15, um den Finaleinzug zu sichern. Das Team um Florian Harca und Co. hatte vor dem letzten Tennis-Satz bereits 13 Punkte Vorsprung und Großbritannien somit keine Chance mehr auf den Sieg. Knapper hingegen ging es im zweiten Semifinale zu, welches das Team Dänemark gegen die Damen und Herren aus Deutschland bestritt. Das deutsche Team sicherte sich in einem dramatischen Tennis-Finale mit lediglich einen Punkt Vorsprung den Finaleinzug.

Somit kam es am Freitagabend im Finale zu einem Klassiker zwischen Österreich und Deutschland. Das Spiel, welches von streamster.tv auch live für ORF Sport+ produziert wurde, hielt, was es versprach. Sah es beim Tischtennis noch so aus, wohl eher ein eindeutiges Spiel für Deutschland zu werden, kämpften sich die Österreicher:innen beim Badminton und Squash zurück und drehten den Spieß im Tennis sogar um. Erstaunlich war vor allem, dass die vermeintlichen Favorit:innen in den jeweiligen der vier Schlägersportarten durchaus Probleme hatten, ihre Stärken auszunutzen. So konnte einerseits Bettina Bugl beispielsweise im Squash weitaus mehr Punkte – nämlich 8 – gegen ihre deutsche Kontrahentin Nathalie Vogel holen als womöglich im Vorfeld gedacht. Die Deutsche fühlt sich im Glascourt eigentlich am wohlsten und ist dort in der Regel besonders stark. Auf der anderen Seite tat sich der Österreicher Florian Harca gegen Max Plettenberg überraschend schwer im Tennis und setzte sich am Ende knapp mit 11:9 durch. Zuvor gelang Harca noch der Sieg im Einzel über den Dänen Jaksland, der in der Racketlon-Weltrangliste als der beste Tennisspieler zählt. Somit kam es zur Entscheidung im 16. Satz, wo Österreichs Georg Stoisser auf den Deutschen Christian Wiessner traf. Sah es zuerst so aus als würde sich Stoisser locker durchsetzen und dementsprechend den Weltmeister-Titel für Österreich holen, gelang es Wiessner einen 3:7 Rückstand zu drehen und am Ende den Satz mit 11:8 zu gewinnen. Damit stand Deutschland schlussendlich mit 142 Punkten da, bloß ein Punkt mehr als das österreichische Team. Das Publikum konnte nach 2013 den zweiten Team-Weltmeistertitel für Deutschland in einem spannungsgeladenen Spiel beobachten. Die Elite-Einzelbewerbe in den letzten beiden Tagen können also zusätzlich noch dafür sorgen, dass es nicht nur die größten Racketlon-Weltmeisterschaften aller Zeiten werden, sondern gleichzeitig auch die spannendsten ihrer Art.